Gründung einer Kanzlei: So entsteht dein Auftritt
25. März 2025 – Tobias Steinemann
Die eigene Anwaltskanzlei zu gründen ist ein mutiger und bedeutender Schritt. Du willst dich selbstständig machen und deine Expertise unter eigenem Namen anbieten? Wir freuen uns für dich! Damit deine Kanzlei nicht nur rechtlich, sondern auch visuell überzeugt, brauchst du von Anfang an einen durchdachten und professionellen Auftritt. In diesem Beitrag erfährst du, welche Grundlagen du für deinen erfolgreichen Kanzleiauftritt brauchst – von der Positionierung über das Kanzleilogo bis zur Website.
1. Klare Positionierung: Wofür steht deine Kanzlei?
Bevor du an ein Design für deine Kanzlei denkst, solltest du deine strategische Basis klären. Der Auftritt deiner Kanzlei ist eigentlich nichts anderes als die visuelle Übersetzung der Strategie deines Unternehmens und der Identität deiner Marke. Diese Fragen solltest du bereits bei der Gründung deiner Kanzlei zuverlässig beantworten können:
- Wer sind deine Zielgruppen?
- Wodurch unterscheidest du dich von anderen Kanzleien?
- Welche Rechtsgebiete bietest du an?
- Wie soll deine Marke von deinen Zielgruppen wahrgenommen werden?
Eine klare Positionierung ist essentiell. Nur so werden deine Klient:innen verstehen, bei welchen Problemen du ihnen helfen kannst und womit sie dich beauftragen sollen.
✨ Die Positionierung ist ein entscheidender Teil des Fundaments deiner Marke als Anwältin oder Anwalt. ✨
2. Ein prägnanter Kanzleiname
Der Name deiner Kanzlei sollte einprägsam sein und zu deiner Markenidentität passen. Viele Anwält:innen wählen bei der Gründung einer Kanzlei nach wie vor ihren eigenen Namen. Allerdings sind die Fantasienamen auf dem Vormarsch. Diese haben den praktischen Vorteil, dass sie auch bei einer Veränderung in der Partnerschaft (bspw. durch Wachstum) weiterhin Bestand haben. Ob du unter deinem eigenen Namen auftrittst oder eine Kanzleimarke aufbaust – achte auf Wiedererkennungswert und vermeide ungewünschte Bedeutungen oder Assoziationen (bspw. in anderen Sprachen).
Tipp: Teste deine Ideen bei unterschiedlichen Personen.
3. Braucht meine Kanzlei ein Logo?
Ja und nein. Logos werden oft mit Schriftzügen verwechselt. Mit «Logo» meinen Anwält:innen in der Regel eine grafische Datei des ausgeschriebenen Kanzleinamens, der auf verschiedenen Kommunikationsträgern eingesetzt werden kann. Ein Logo ist jedoch etwas anderes: Das Logo ist eine abgekürzte Version der Marke in einem Signet mit hoher Wiedererkennnung – das alleinstehende «H» von Homburger zum Beispiel.
Nicht jede Kanzlei braucht von Beginn an ein solches Signet. Die Kreation eines Logos ist sehr aufwändig und löst – wenn es gut gemacht sein will – entsprechende Kosten aus.
Was es hingegen für einen wirkungsvollen Auftritt braucht, ist ein starkes Corporate Design. Ein Logo kann Teil davon sein. Wie eine Marke effektiv wahrgenommen wird, hängt aber nur zu einem kleinen Teil vom Logo ab. Entscheidend ist die Gesamtkomposition der Elemente eines Corporate Designs (siehe unten).
4. Einheitliche visuelle Identität (Corporate Design)
Farben, Schriften, Bildsprache – dein gesamter Kanzleiauftritt sollte stimmig sein und wirkungsvoll umgesetzt werden. Es lohnt sich, von Beginn an in die Grundlagen eines Corporate Design Systems zu investieren. Damit sorgst du für eine einheitliche Gestaltung von Visitenkarten, Briefpapier, Social-Media-Posts und Präsentationen.
Das Investment in ein echtes Corporate Design spart dir bereits kurzfristig Geld bei der Umsetzung dieser Kommunikationsträger.
Was sehr oft passiert: Zu Beginn wird gespart und es gibt kaum Regeln: Hier ein bisschen rot, dort eine Schriftart, überall ein bisschen andere Schriftgrössen und Bildelemente. Das Resultat? Die Gesamtkomposition passt nicht zueinander.
Das ist nicht schön und erzeugt bei den Zielgruppen kaum Wirkung. Die Kommunikation wird nicht wahrgenommen und das damit verbundene Investment versandet ohne Resultate. Diese Kanzleien müssen schon bald wieder investieren in den Auftritt und das erzeugt oft Mehrkosten.
5. Eine überzeugende Kanzlei-Webseite
Natürlich braucht auch jede neu gegründete Kanzlei eine moderne, responsive und suchmaschinenoptimierte Anwalts-Webseite. Sowohl für deine bestehenden Kontakte als auch für neue Klient:innen ist sie ein wichtiger Berührungspunkt – und muss auf Anhieb überzeugen. Um dein Budget im Griff zu behalten, kannst du dich auf die folgenden Pages beschränken:
- Startseite mit einem Überblick zu den Inhalten, die direkt deine Positionierung vermitteln
- Profil-Seite(n) sodass dein Werdegang und deine Expertise sowie die Kompetenzen deines Teams direkt ersichtlich werden
- Leistungsübersicht deiner Rechtsgebiete (z. B. Familienrecht, Mietrecht, Strafrecht)
- Kontaktseite mit Angabe der Kanzleiadresse, Telefonnummer und E-Mail
- Optional – aber unglaublich wertvoll von Beginn an: Blog mit Infos zu den Fragen deiner Zielgruppen für SEO und digitale Akquise von neuen Leads
Drei weitere Punkte sind wichtig: (1) Deine Webseite sollte auf allen Geräten (Desktop, Tablet, Smartphone) einwandfrei funktionieren. (2) Integriere Analysetools, um die Nutzung deiner Webseite zu analysieren (Tipp: Statt Google Analytics, lieber auf ein anderes Tool setzen). (3) Verwende rechtskonforme Impressums- und Datenschutzerklärungen.
Zur Vertiefung im Thema: Das sind die 🖐 wichtigsten Bausteine einer erfolgreichen Kanzleiwebseite.
6. Google-Unternehmensprofil und Online-Sichtbarkeit
Erstelle ein kostenloses Google-Profil für deine Kanzlei und befülle es mit den wichtigsten Informationen. So erscheinst du bei lokalen Suchanfragen („Anwalt Zürich“, „Rechtsberatung Basel“) mit Adresse, Öffnungszeiten und Bewertungen. Auch Einträge auf Portalen wie local.ch, anwaltvergleich.ch oder jurata.ch erhöhen deine Sichtbarkeit und können für deine Webseite wertvolle Backlinks generieren.
7. Social Media als strategischer Kanal
Ein aktives LinkedIn-Profil ist heute für alle Anwält:innen ein enormer Gewinn im Business Development. Kaum ein anderer Kanal vermittelt bei richtiger Nutzung schon innert kurzer Frist so viel Sichtbarkeit wie Social Media. Auf LinkedIn lässt sich das Netzwerk schnell vergrössern und durch geschickte Kommunikation ein klares Profil entwickeln.
Hier kannst du deine Expertise zeigen, Tipps geben, deine Kanzleikultur präsentieren und dein Netzwerk aufbauen. Wichtig: Wähle Inhalte, die für deine Zielgruppe nützlich sind und bleibe regelmässig aktiv.
Likes sind überbewertet! Mit diesen KPI analysierst du deine LinkedIn-Performance richtig. 🤙
8. Prints und Präsentationen
Zum Start in die eigene Kanzlei gibt es viel zu tun – und alles kostet Geld. In der Kommunikation solltest du dir überlegen, was du von Beginn an brauchst. So kannst du deine Kosten managen. Zu Beginn sind die Visitenkarten und das Briefpapier vermutlich wichtiger als eine Broschüre oder die passenden PowerPoint-Slides. Sprich dich hinsichtlich der Planung mit deiner Agentur ab.
Bei der Neugründung gilt: Wichtig ist, was dich bei der Akquise von Business unterstützt.
Fazit: Ein starker Kanzleiauftritt bringt Vertrauen
Dein Auftritt als Anwältin oder Anwalt ist mehr als nur Äusserlichkeit – er ist Ausdruck deiner Arbeitsweise, deines Anspruchs, der Qualität deiner Arbeit und deiner Werte. Eine durchdachte Kanzleimarke und ein konsistenter Auftritt helfen dir, Vertrauen aufzubauen und dich im Markt zu positionieren. Starte smart – mit Klarheit, Qualität und Persönlichkeit.
Bonus-Tipp: Wenn du dir beim Aufbau deiner Kanzleimarke Unterstützung wünschst – von Logo über Website bis zur strategischen Beratung – melde dich gerne bei uns. Wir begleiten dich auf deinem Weg zur erfolgreichen Selbstständigkeit.