Schweizer Anwaltskanzleien auf LinkedIn 2026
10. Aug. 2026 – Tobias Steinemann
Wer sammelte im letzten Jahr fleissig neue LinkedIn-Follower? Welche Kanzlei hat viel gepostet? Und welcher Brand bekam besonders viele Likes? Für unsere jährliche LinkedIn-Analyse haben wir die öffentlich verfügbaren Daten der Firmen-Accounts dieser 18 führenden Schweizer Kanzleien ausgewertet: Altenburger, Baker & McKenzie Schweiz, Bär & Karrer, Bratschi, CMS Switzerland, Homburger, Kellerhals Carrard, LALIVE, Lenz & Staehelin, MLL, MME, NKF, Pestalozzi, Schellenberg Wittmer, Vischer, Walder Wyss, Wenger Vieli und Wenger Plattner.
Hinweis: Die Datensammlung erfolgte am 30. Juli 2026.
LinkedIn-Daten verändern sich laufend. Die nachfolgenden Ausführungen sind daher eine Momentaufnahme am angegebenen Datum. Soweit nichts anderes vermerkt ist, beziehen sich die Zahlen zu den Entwicklungen auf den Zeitraum von 12 Monaten vor der Datenerhebung.
Schellenberg Wittmer bleibt die Nummer 1
2025 noch zum ersten Mal die Kanzlei mit den meisten Followern in der Schweiz, verteidigt Schellenberg Wittmer den Spitzenplatz in diesem Jahr souverän. Mit neu 18’113 Followern konnte die Kanzlei den Vorsprung gegenüber der nächsten Konkurrenz ausbauen. Dieser beträgt neu 1’287 Follower gegenüber Lenz & Staehelin. Im Vorjahr lag Schellenberg Wittmer 425 Follower vor LALIVE.
Hinter Schellenberg Wittmer konnte Lenz & Staehelin an LALIVE vorbeiziehen und belegt neu Rang 2. Das sind die Top 5:
- Schellenberg Wittmer – 18’113 Follower
- Lenz & Staehelin – 16’826
- LALIVE – 16’287
- Bär & Karrer – 15’825
- Walder Wyss – 13’892
Ebenfalls über 13'000 Follower zählen aktuell Kellerhals Carrard (13’495) und Homburger (13'263). Die weiteren Kanzleien liegen zwischen 11’169 (MLL) und 2'423 Followern (Wenger Plattner). Der Durchschnittswert liegt bei 10’400 Followern pro Kanzlei-Account. Die Schweizer Kanzleien haben damit im Schnitt 1'392 Follower mehr als zum Zeitpunkt unserer letzten Datenerhebung im Sommer 2025.
Über 3’200 neue Follower in den letzten 12 Monaten
Auch in dieser Kategorie war Schellenberg Wittmer besonders erfolgreich. Im letzten Jahr hat die Kanzlei die 3’000-Marke noch verpasst. Dieses Jahr wird sie deutlich geknackt. 3’281 sind mit grossem Abstand der Bestwert in dieser Kategorie.
Diese 5 Kanzleien haben im letzten Jahr besonders erfolgreich Follower gesammelt:
- Schellenberg Wittmer – 3’281 neue Follower
- Lenz & Staehelin – 2'397
- Kellerhals Carrard – 2’190
- Bär & Karrer – 2'011
- NKF – 1'926
NKF schafft es zum ersten Mal in diese Liste und verdrängt Walder Wyss aus den Top 5.
Die durchschnittliche Anzahl neuer Follower beträgt 1'523. Acht der untersuchten Kanzleien sind über dieser Schwelle, zehn liegen darunter. Der Tiefstwert an neuen Followern im letzten Jahr lag bei 302.
Hinweis: Die Kennzahl «Neue Follower» ist die Anzahl User, die in einer bestimmten Zeitspanne (hier: die 12 Monate vor dem 30. Juli 2026) neu dem Account folgen. Diese Zahl entspricht nicht der Gesamtzunahme der Follower im gleichen Zeitraum, weil die User, die unfollowen oder sich von LinkedIn abmelden, nicht berücksichtigt werden.
Durchschnittlich 15.53% gewachsen
Die Schweizer Kanzleien legen also weiter Follower zu. Im Schnitt ist die LinkedIn-Gefolgschaft der untersuchten Firmen um 15.53% gewachsen. Prozentual den grössten Sprung machte NKF mit 25.07%.
Dahinter erreichen auch CMS Switzerland (21.50%) und Schellenberg Wittmer (20.13%) Wachstumswerte jenseits der 20%-Grenze.
In den Vorjahren lag das Wachstum bei 19.94% (2025) und 22.05% (2024). Auch wenn die Accounts in absoluten Zahlen also weiter zulegen, nimmt das prozentuale Wachstum gegenüber den Vorjahren erwartungsgemäss weiter ab.
Aktivität bleibt stabil, Engagement nimmt ab
In den 12 Monaten vor unserer Datenerhebung posteten die 18 Kanzleien insgesamt 2906 Beiträge auf ihren LinkedIn-Accounts. Das entspricht einem Durchschnitt von 161.44 Posts pro Kanzlei. Das ist auf dem Niveau des Vorjahres (162.61 Beiträge pro Kanzlei).
Auch im letzten Jahr haben die Kanzleien ihre Follower sehr unterschiedlich oft mit neuen Inhalten beglückt. Die Fans dieser Firmen wurden im letzten Jahr besonders sparsam bespielt:
- LALIVE – 43 Posts
- Wenger Plattner – 54
- Homburger – 76
Am anderen Ende der Skala befinden sich diese «Vielposter»:
- Kellerhals Carrard – 243 Posts
- Walder Wyss – 241
- Schellenberg Wittmer – 238
- MME – 224
- MLL – 221
Die weiteren Kanzleien liegen zwischen 104 und 197 Posts. Der Rekord von MME aus dem Jahr 2024 (321 Posts in 12 Monaten) bleibt damit ungebrochen.
Exkurs: Müssen wir viel posten, um erfolgreich zu sein?
Nein. Aber es kann helfen. Guter Content geht immer vor einer Dauersendung mit schlechtem Inhalt. Der Algorithmus bevorzugt natürlich eine gewisse Regelmässigkeit. Aktuell machen gerade Feldversuche die Runde, in denen User mehrere Posts pro Tag publizieren.
Unabhängig davon, was diese Versuche zeigen werden: Entscheidend ist, was als Erfolg definiert wird. Nur, weil eine Taktik viele Likes oder Impressionen generiert, bedeutet es noch lange nicht, dass dieser Beitrag tatsächlich die gewünschte Wirkung (bei den richtigen Personen) erzielt hat.
Engagement der Kanzleien sinkt um 4%
Mehr Follower, aber weniger Reaktionen und Kommentare: Über 4% des gesamten Engagements haben die Kanzleien gegenüber dem Vorjahr eingebüsst.
In den 12 Monaten vor der Datenerhebung sammelten die Kanzleien insgesamt 147’515 Likes, Kommentare, Shares etc. Im Vorjahr lag diese Zahl noch bei 153’711.
Diese Kanzleien knacken die 10’000-Grenze:
- Schellenberg Wittmer – 16’724 Engagements
- MLL – 12’909
- Kellerhals Carrard – 12’422
- Bär & Karrer – 12’363
- Walder Wyss – 11’116
- NKF – 10’083
Bemerkenswert: Die Spitzenreiterin, Schellenberg Wittmer, erzielt damit fast eine Punktlandung auf dem Wert des Vorjahres (damals 16’711).
Es ist klar: Wer viel postet, hat auch mehr Chancen auf mehr Likes. Tendenziell erzielen die Accounts, die viele Beiträge publiziert haben, daher auch mehr Engagement.
Warum sinkt das Engagement der Kanzleien?
Gute Frage! Das lässt sich aus der Distanz nicht absolut und für alle Kanzleien gültig beantworten. Es gibt grosse LinkedIn-Studien, die datenbasiert belegen konnten, dass das Engagement bei Firmenaccounts zunimmt.
Warum die Schweizer Kanzleien davon bisher nicht profitieren können, ist unklar. Wir haben verschiedene Theorien. Eine der wahrscheinlichsten Ursachen ist, dass sich die User am ewig gleichen Content sattgesehen haben. Die Inhalte sind zu «corporate» und damit auch nicht mehr so «likeable». Gut möglich ist auch, dass viele Kanzleien Inhalte posten, die vom Algorithmus nicht mehr so weit ausgespielt werden. Abhilfe schafft hier nur ein dynamisches Konzept für gute Inhalte.
Vorsicht: Wenig Likes bedeuten nicht wenig Impressionen! Mehr zum Tracking von KPI auf LinkedIn.
Keine Kanzlei schafft durchschnittlich 100 Engagements pro Beitrag
Das ist erstaunlich. 2024 erzielte LALIVE in den 12 Monaten vor unserer Datenerhebung ein durchschnittliches Engagement von 197.26 pro Beitrag.
Das sind die Top 5 in diesem Jahr:
- LALIVE – 96 Engagement pro Beitrag
- Homburger – 91
- Schellenberg Wittmer – 70
- Bär & Karrer – 69
- NKF – 61
Bemerkenswert an diesem Vergleich der Jahre 2024 und 2026 ist, dass hier eine Konsolidierung stattgefunden hat. Während 2024 offensichtlich unterschiedliche Strategien noch zu mehr Engagement geführt haben, hat sich dieses mittlerweile ausgeglichen.
LinkedIn gibt, LinkedIn nimmt. Ein gutes Beispiel dafür, dass wir hier alle nach den Regeln der Plattform tanzen und immer wieder gefordert sind, neue Schrittfolgen zu lernen.
Kellerhals Carrard auf LinkedIn die grösste Kanzlei
Das LinkedIn-Profil von «KC» weist 502 «Associated Members» aus. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um alle Mitarbeitenden, die den Firmenaccount in ihrem Profil als aktuelle Arbeitgeberin verlinkt haben. Diese Zahl entspricht natürlich nicht der effektiven Anzahl an Mitarbeitenden.
Die «gelbe Riesin» verteidigt damit diese Position als grösste Kanzlei auf LinkedIn. Die weiteren Firmen in den Top 5 sind:
- Lenz & Staehelin – 475 Associated Members
- Walder Wyss – 471
- Bär & Karrer – 377
- Schellenberg Wittmer – 341
In dieser Liste gab es nur eine Verschiebung: Homburger, im letzten Jahr noch auf dem fünften Rang, musste diesen an Schellenberg Wittmer abtreten. Letztere ist denn auch die Kanzlei, deren Bestand als einzige über 10% gewachsen ist.
Das durchschnittliche Wachstum der «Associated Members» lag bei 2.52%. Daraus eine Wachstumszahl für den Markt der Schweizer Anwaltskanzleien herauszulesen, wäre sicher zu viel des Guten. Schliesslich ist davon auszugehen, dass weiterhin eine Dunkelziffer besteht: Nicht alle Mitarbeitenden sind auf LinkedIn oder haben sich korrekt mit dem Profil verknüpft.
Ein Indikator dafür, dass die Grosskanzleien nicht mehr gross zulegen, dürfte es allemal sein…
Viele Zahlen, neue Erkenntnisse
Diese Analyse kann eine wichtige Kennzahl nicht messen: Impressionen. Wir tracken nicht, wie viele LinkedIn-User die Inhalte der Kanzleien tatsächlich sehen. Damit fehlt dieser Studie ein entscheidendes Element.
Für dein eigenes Unternehmensprofil kannst du diese Kennzahl natürlich auslesen. Vergleichen mit anderen geht leider (bisher) nicht.
Was die Zahlen, gerade auch in der Entwicklung über die Jahre gut zeigen, sind die Benchmarks des LinkedIn-Kanzleimarkts in der Schweiz. Es gibt eine Vergleichsmöglichkeit für die wichtigsten Kennzahlen und eine Übersicht über Branchen-Entwicklungen. Die Erkenntnisse anderer Studien beziehen sich meist auf Accounts aus unterschiedlichen Märkten, weshalb die Ergebnisse schwer zu deuten sind.
Was du ebenfalls beachten solltest:
Erstens befreit die Studie nicht von einer inhaltlichen Analyse. Social Media Erfolg ist immer ein Zusammenspiel von gutem Content und einem klaren Verständnis der Plattform. Einfach nur den Algorithmus zu beglücken, wird keine Kanzlei erfolgreich machen.
Zweitens bleibt es dir überlassen, wie du die hier vorgestellten Ergebnisse deutest. Wir haben zwar für alle offenen Fragen unsere Antworten gefunden. Teilweise sind es aber auch bei uns nur Theorien, weil LinkedIn gewisse Geheimnisse nicht preisgeben möchte.
Wenn du deine oder eure Positionierung auf LinkedIn stärken möchtest, unterstützen wir dich gerne.